Aus 2 mach 1: PZF – Pädagogisches Zentrum Faldera

21.01.2013

Wippendorfprojekt und Wicherngruppe wachsen zu einer Tagesgruppe in Neumünster zusammen



Eine Fusion im kleinen Stil hat sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wippendorfprojektes und der Wicherngruppe mit Start des neuen Schuljahres ergeben. Aus den beiden bisher eigenständigen Tagesgruppen hat sich nun ein gemeinsames Team formiert, das aber wie bisher in unterschiedlichen Räumlichkeiten an der Wichernschule im Neumünsteraner Stadtteil Faldera Kinder und Jugendliche nach § 32 SGB VIII betreut.

Neuer Name, neues Konzept: PZF – Pädagogisches Zentrum Faldera

Einen neuen Namen gibt es auch dafür:  PZF – Pädagogisches Zentrum Faldera.
„Zu uns kommen Kinder und Jugendliche im Alter von ca. 7 – 16 Jahren mit verschiedenen Auffälligkeiten und oft belasteten Lebensgeschichten. Die meisten haben Schwierigkeiten in der Schule, die bis hin zu Schulverweigerung gehen können, Probleme im Elternhaus und dem sonstigen sozialen Umfeld“, berichtet Regina Bittler, Leiterin der Tagesgruppe im PZF.  Die Bandbreite reicht von oppositionellem Verhalten, Traumatisierung, Gewalterfahrungen, sexuellem Missbrauch über ADHS und Entwicklungsverzögerungen oder Teilleistungsstörungen, um nur einige zu nennen. Allen gemeinsam ist aber, dass sie in ihrer Familie leben und von Montags – Freitags im PZF betreut werden. Neben der Tagesgruppe gibt es im PZF auch zwei Kleinklassen für eine interne Beschulung ab Klasse 5. Dafür stehen 16 Plätze zur Verfügung, 15 weitere Plätze gibt es für Kinder, die die Regelschulen in Neumünster besuchen.

Nach der Schule bekommen alle ein warmes Mittagessen und anschließend Unterstützung bei den Hausaufgaben. Soziales Lernen wird groß geschrieben in der Tagesgruppe. „Vielen fällt es schwer, sich in ein Ganzes einzufügen, Regeln einzuhalten, vom fairen Austragen in Konfliktsituationen ganz zu schweigen“, weiß Regina Bittler. Da fliegen dann auch schon mal die Fäuste oder zumindest heftige Beleidigungen hin und her. „In der Gruppe haben die Kinder und Jugendliche die Chance, sich mit Gleichaltrigen auseinanderzusetzen und einen angemessenen Umgang miteinander einzuüben.“ Unterstützt werden sie dazu von einem Team von insgesamt 8 Betreuerinnen und Betreuern, alle mit Erzieherausbildung oder pädagogischem Studium. „Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen klare Regeln haben und verlässliche Ansprechpartner, die ein Herz für sie haben und zu denen sie eine Beziehung aufbauen können“, bringt  Uli Blunck, Erzieher und Gruppenleiter es auf den Punkt.

Im Nachmittagsbereich können  die Kinder und Jugendlichen mit und ohne interne Beschulung verschiedene Angebote nutzen. Während sie zum Mittagessen und für die Hausaufgaben getrennt betreut werden, stehen am Nachmittag je nach Bedarf auch alteresgemischte Angebote auf dem Programm. Sport und Bewegung nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein. Fußball und Schwimmen zählen zu den Favoriten, ebenso reiten oder Bewegungsspiele in der Turnhalle. Daneben gibt es immer wieder Einzelaktionen wie kochen und backen, nähen, basteln oder gemeinsame Ausflüge und Ferienfreizeiten. Durch die Zusammenarbeit des Teams können bei Bedarf kleine Gruppen bis hin zu einer zeitlich befristeten Einzelbetreuung gebildet werden.

Allerdings reicht es zu einer wirklichen Veränderung nicht aus, nur mit den Kindern zu arbeiten, sondern es findet begleitend eine regelmäßige Elternarbeit statt mit sozialpädagogischer Beratung, teilweise auch im Hause der Eltern. Ebenso stimmen sich die Betreuer mit Schule und bei Bedarf auch weiteren Hilfen ab. „In der Regel sehen wir die Eltern alle 14 Tage, bei Bedarf in krisenhaften Situationen auch häufiger“, sagt Uli Blunck, Erzieher und Gruppenleiter.

Zusammenarbeit mit „KEN“ – Kooperative Erziehungshilfe Neumünster

Neu ist für die Tagesgruppe auch die Zusammenarbeit mit „KEN – Kooperative Erziehungshilfe Neumünster“, einer Kooperation von Jugendamt und Schule, die zum 01.08.2012 ihre Arbeit Tür an Tür mit dem PZF an der Wichernschule aufgenommen hat. Zwei Teams besetzt mit jeweils einer Lehrkraft und einem Sozialpädagogen bzw. einer Schulsozialarbeiterin können von den schulamtsgebundenen Neumünsteraner Schulen über die schulische Erziehungshilfe für Beratung, Diagnostik und Clearing angefragt werden, wenn durch massive Verhaltensauffälligkeiten von Kindern der Schulerfolg gefährdet, Unterricht gestört ist und bisherige Lösungsversuche kein Ergebnis brachten. Für eine umfassende Diagnostik können Kinder und Jugendliche auch für mehrere Wochen in KEN beschult werden. „Wir berücksichtigen die unterschiedlichen Entwicklungsstände der zu Unterrichtenden und achten darauf, dass die Schüler und Schülerinnen die Unterrichtsinhalte individuell vermittelt bekommen“, erläutert der Sozialpädagoge Hans Diehnelt von „KEN“, der mit der Hälfte seiner Arbeitszeit auch in der Tagesgruppe arbeitet. Fällt die Entscheidung, dass im Anschluss an „KEN“ ein Kind in der Tagesgruppe aufgenommen wird, kann er durch diese Stellenteilung den Übergang behutsam begleiten.

Ob PZF oder KEN – die Ziele sind gleich: Kinder, Jugendliche und deren Familien so zu unterstützen, dass das Kindeswohl gesichert ist und ein gemeinsames Leben trotz mancher Schwierigkeiten möglich bleibt.

Regina Bittler

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